Die Zeitungen betiteln Jamie Cullum mit Superlativen wie “Robbie Williams des Jazz” oder “David Beckham des Jazz”. Das Major-Debüt “Twentysomething” verkauft sich in England so schnell wie keine andere Jazz-CD zuvor und selbst in den USA knackte es die Billboards.
Jamie Cullum ist eines der größten Talente überhaupt und Live ein absoluter Knaller.
Jamie Cullum hätte sich in seinen kühnsten Träumen nicht vorstellen können, wie sich die Dinge für ihn entwickeln würden. Der in Essex geborene und in Wiltshire aufgewachsene Cullum hatte sich von jeher geradezu obsessiv für alle Arten von Musik interessiert, entdeckte den Jazz aber erst als Teenager, als ihm sein älterer Bruder Ben Aufnahmen von Miles Davis vorspielte. Während er – ein paar Jahre später – die Universität besuchte, um Anglistik zu studieren, verdiente er sich als Sänger und Pianist in Kneipen, Hotels und auf Kreuzfahrtschiffen seinen Lebensunterhalt. “In der Nacht vor meiner Abschlussprüfung an der Uni hatte ich einen Auftritt”, erzählt er. “Meine Abschlussfeier ließ ich sausen, um auf Tournee zu gehen und danach auf einem Kreuzfahrtschiff zu spielen. Ich hatte also schon damals eigentlich nur Musik im Kopf.” Um noch mehr Auftrittsmöglichkeiten zu ergattern, nahm Jamie Cullum einen Kredit auf und spielte von dem Geld sein erstes Album ein.
Schon bald verbreitete sich die Kunde von dem Talent Jamie Cullum
Jamie Cullum zog nach London, wo Jamie Cullum bei dem auf Jazz spezialisierten Label Candid Records sein zweites (und ebenfalls mit größtenteils eigenen Mitteln produziertes) Album “Pointless Nostalgic” veröffentlichen konnte. Und das stieß nicht nur im Londoner Jazzzirkel auf reges Interesse. “Ich hatte nicht davon geträumt, ein Popstar oder ähnliches zu werden. Ich dachte nie, daß ich das dafür notwendige Talent oder Selbstvertrauen hätte. Mein plötzlicher Erfolg hat mich selbst vollkommen überrascht. Ich hatte zwar schon vorher ein Album aufgenommen, aber das hatte ich nicht einmal bei einer Plattenfirma unterbringen können. Das verkaufte ich nur bei meinen Gigs und machte mir darüber auch keine weiteren Gedanken.”
In London spielte Jamie Cullum wo immer es ging
Jamie Cullum war sich auch nicht zu schade, bei Hochzeitsfeiern aufzutreten. Bis die Jazzabteilung von Universal Music auf ihn aufmerksam wurde und ihm im April 2003 einen traumhaften Plattenvertrag über 1 Million britische Pfund (1,45 Millionen Euro) anbot. Selbst zu diesem Zeitpunkt hätte noch niemand den überwältigenden Erfolg von “Twentysomething”, Jamie Cullums im Oktober 2003 veröffentlichtem ersten Album für ein Major-Label, vorhersehen können. Auf “Twentysomething” riss Jamie spielerisch die Grenzen zwischen Pop und Jazz nieder, kombinierte erfrischend einzigartige Arrangements von Jazzstandards mit ein paar eigenen Kompositionen und überraschenden Coverversionen von Jimi-Hendrix- und Jeff-Buckley-Songs. Es war ein Album von jemandem, der Musik in all ihren Formen liebt und allen anderen zeigen wollte, was möglich war. Innerhalb von wenigen Monaten verkaufte sich das Album unglaubliche 2,5 Millionen Mal und wurde damit zum schnellst- und bestverkauften Jazzalbum in der englischen Musikgeschichte. “Das war alles eine totale Überraschung”, sagt er heute. “Ich hatte das alles nie erwartet und mir, ehrlich gesagt, auch nie in dieser Weise gewünscht. Ich war stets so intensiv mit der Musik an sich beschäftigt, daß ich mir über die Dinge, die sie nach sich ziehen könnte, gar keine Gedanken machte.”
Jamie Cullum erobert die USA
Der Erfolg ebnete ihm dann auch den Weg in die USA, wo er gleich bei seinem ersten Besuch drei Wochen lang in dem renommierten Oak Room des New Yorker Algonquin-Hotel auftrat. Anschließend ging er auf eine sechswöchige Tournee durch den Rest des Landes, wo er für seine frenetischen Live-Auftritte, bei denen so einige Flügel auf der Strecke blieben, nicht weniger frenetische Kritiken erntete. Auftritte hatte er dort auch in David Lettermans “Late Night Show” und Jay Lenos “Tonight Show”. “Wir haben die ganze Tournee mit einem Bus gemacht und das hat mir richtig gefallen”, schwelgt Jamie in Erinnerungen. “Wir sind in Colleges aufgetreten, in kleinen Clubs und Rock-Schuppen zwischen Nashville und Kanada, und ich hatte die ganze Zeit das Gefühl, einen Traum zu durchleben. Es war schlichtweg großartig!”
In Großbritannien absolvierte Jamie Cullum drei ausverkaufte Tourneen, trat in der äußerst populären “The South Bank Show” auf und wurde – worüber er sich besonders freute – zum Glastonbury-Festival eingeladen. “Es war erstaunlich. Ich glaube, das war der beste Auftritt, den ich je hingelegt habe. Ich habe das ganze Konzert auf Video, und ich sah, als ich dort spielte, ein bißchen betrunken aus. Mit Eleganz hatte das alles nichts zu tun – am Ende der Show habe ich mich sogar noch mit Bier bekleckert -, aber es war einfach großartig. Und ich meine damit nicht nur den Gig. Ich habe dort das ganze Wochenende in meinem Zelt verbracht. Es war toll!”
Jamie Cullum hat den Nerv der Zeit getroffen
Beim Festival in Glastonbury hatte sich genau das Publikum eingefunden, auf das Jamie gehofft hatte. Und alle waren von ihm begeistert, selbst diejenigen, die noch nie zuvor Jazz gehört hatten. “Mich überraschte, wie sich die Leute auf meine Musik einließen. Natürlich gab ich mir Mühe, ihnen den Zugang zu meiner Musik zu erleichtern”, erläutert er. “Ich mag es, verschiedene musikalische Elemente auf abenteuerliche Weise miteinander zu vermischen, aber ich tu dies natürlich nicht auf diese disharmonische und ausufernde Art wie manche Hardcore-Jazzmusiker. Ich bevorzuge es, wenn die musikalische Mischung rund klingt, und – zu meinem Glück – mag ich es auch, diese eher abenteuerlichen Sachen mit Dingen zu vermischen, die etwas familiärer klingen. Ich liebe Popmusik, deshalb mische ich Jazz mit Popmusik. Ich mache das nicht, weil ich auf den kommerziellen Erfolg schiele, sondern einfach weil mir diese Musik gefällt. Und ich glaube, daß ich mit meiner Art, dies zu tun, bei den Leuten einen Nerv getroffen habe.”
Nach dem überwältigenden Erfolg, der Jamie einen Popstar-Status einbrachte, interessierten sich die Leute natürlich auch für die Person hinter der Musik. Es gibt kaum einen Zeitungsartikel, der nicht auf sein jungenhaftes Aussehen und seine charismatische Bühnenpräsenz eingeht. Jamie registriert dies alles mit einiger Belustigung. “Es kommt schon vor, daß ich auf der Straße erkannt werde. Aber damit habe ich kein Problem. Ich kann immer noch an denselben Orten essen, trinken und dergleichen Alltägliches tun, ohne mich durch irgendwen belästigt zu fühlen. Wenn man mich so auf der Bühne herumhopsen sieht, könnte man auf die Idee kommen, daß es mir nur darum ginge, Aufmerksamkeit zu erheischen – aber danach habe ich mich nie gesehnt. Ich genieße es einfach, Musik zu machen, und lasse mich dann gehen. Mehr steckt nicht dahinter.”
Einer der angenehmsten Nebeneffekte war, daß Jamie einige seiner Idole persönlich kennenlernte. Etwa den legendären Jazzpianisten Dave Brubeck (“Er umarmte mich wirklich sehr herzlich.”) oder Thom Yorke (“Da gibt es eigentlich nicht viel zu erzählen, aber er schüttelte mir immerhin die Hand.”) Ein besonderes Highlight war das Zusammentreffen mit dem derzeit so angesagten Musiker und Produzenten Pharrell Williams (The Neptunes, N.E.R.D.) bei der Verleihung der Brit Awards. “Den wollte ich wirklich einmal kennenlernen. Aber ich hätte nicht damit gerechnet, daß ich ihn so gut kennenlernen und so viel Zeit mit ihm verbringen würde, wie es dann der Fall war”, meint Jamie. “Wir haben zusammengearbeitet, wir sind zusammen ausgegangen. Wir haben uns angefreundet und zusammen Party gemacht.”
Mit “Catching Tales” zieht Jamie Cullum Bilanz
Auf seinem faszinierenden neuen Album “Catching Tales” zieht der mittlerweile 25jährige nun seine musikalische Bilanz dieser bemerkenswerten Periode. Er hatte in dieser Zeit so viele neue Erfahrungen gemacht und neue inspirierende Musik kennengelernt, daß er innerhalb von nur vier Monaten genügend Songs zusammen hatte, um gleich zwei Alben damit zu füllen. Unterbrochen wurde sein kompositorischer Arbeitseifer nur von ausführlichen Pub-Besuchen mit Freunden und Familienmitgliedern. “Catching Tales” ist eine atemberaubend vollendetes Album, das den jungen Musiker sowohl bei seinen extrovertierten musikalischen Experimenten als auch in den intimeren Momenten selbstbewußter denn je zeigt – auch wenn es ihm an Selbstbewußtsein bisher wirklich nie gemangelt hatte.
Die meisten Stücke dieses in London und Los Angeles aufgenommenen Albums schrieb Jamie allein, andere verfasste er gemeinsam mit den Produzenten Stewart Levine (Simply Red), Dan The Automator (Gorillaz), Guy Chambers (Natasha Bedingfield, Texas, Kylie Minogue) und Salaam Remi (Fugees, Nas, Beenie Man), dem Songwriter Ed Harcourt oder seinem Bruder Ben (“Mind Trick”, “My Yrad”). Darüberhinaus interpretiert er auch wieder in ganz eigener Manier zwei Standards (“I Only Have Eyes For You” und “Our Day Will Come”) und eine Coverversion eines zeitgenössischen Songs (“Catch The Sun” von The Doves). “Dieses Album zeigt sehr viel mehr von mir selbst und repräsentiert auch besser, wo ich als Musiker hingelangen möchte”, erklärt Jamie. “Ich wollte diesmal, daß die Musik für sich selbst spricht und keinerlei Erklärung von meiner Seite bedarf. Diese Mixtur aus Jazz und Pop bewegt sich in eine wesentlich progressivere Richtung. Es ist mir, glaube ich, auch gelungen, mich in dieser Musik besser selbst auszudrücken. Als Teenager versuchte ich das, in dem ich auf einer abgewrackten Gitarre herumklampfte. Heute kann ich das mit ganz anderen Mitteln sehr viel besser tun.”
“Anfangs dachte ich, daß gewisse Songs einfach nicht zu dem passten, was ich mit den Jazzstandards anstellte. Aber das war ein Irrtum, sie passen dazu und machen eigentlich nur deutlich, daß der Jazz eine großartige Plattform ist, auf der man alles machen kann, was man will. Die Leute fragen mich, warum ich Jazz spiele. Ganz einfach: weil man ihn mit allen anderen erdenklichen Musikformen in Einklang bringen kann. Man kann ihm mit Tanzmusik, Rock, Popmusik, Klassik, Funk… einfach mit allem kombinieren. Und auf diesem Album streife ich all diese Stile.”
Quelle: camie-cullum.de erstellt durch c. Sommer










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